„Veranstaltungen trotz der Situation ermöglichen“

Nachgefragt bei Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender des VDVO

Nachgefragt bei Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender des VDVO

Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender beim Verband der Veranstaltungsorganisatoren (VDVO), über die Initiative Push21, Aktivierung im virtuellen Raum, die Förderung einer nachhaltigen Veranstaltungswirtschaft und ein geplantes Live-Event noch in diesem Jahr.

Christian Funk, Redakteur, tw tagungswirtschaft:
Der VDVO hat im Rahmen der ITB Now die Initiative Push21 lanciert. Was verbirgt sich dahinter und welche Ziele hat Push21?
Bernd Fritzges: Bereits im letzten Jahr im August war für uns der Punkt erreicht, an dem wir im Vorstand des VDVO uns darauf verständigt haben, uns weniger mit den Hilfepaketen der Veranstaltungswirtschaft auseinanderzusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir viele Termine im politischen und medialen Kontext zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft begleitet sowie aktiv Aufklärung geleistet, für die wir auch von vielen Leistungsträgern der Branche gelobt wurden. Was uns jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt deutlich wurde: Die Branche ist nicht zu retten, sondern wir müssen uns darauf konzentrieren, wie wir Rahmenbedingungen schaffen können, um die größte Gruppe unserer Mitglieder (Veranstaltungsplaner*innen aus Unternehmen) wieder in die Lage zu versetzen, Veranstaltungen durchführen zu können. Dies unter Berücksichtigung einer weiterhin anhaltenden pandemischen Lage. Ziel von Push’21 ist es also Veranstaltungsformate zu fördern und zu ermöglichen trotz der Situation rund um COVID-19 und der Berücksichtigung für die daraus beschleunigte Entwicklung der Veränderung von Veranstaltungsformaten. Hinter dieser Initiative stehen ausschließlich privatwirtschaftliche Förderer und Fördermitglieder des VDVO. Trotzdem befürwortet auch die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär diese Initiative.

Kerstin Wünsch, Chefredakteurin, tw tagungswirtschaft:
Auf der ITB Berlin und beim MICE Day vom VDVO ist bei der physischen Messe jede Menge in den sozialen Medien los. Unter #ITBBerlinNOW war eher “tote Hose”. Was glauben Sie, woran das liegt, und wie lassen sich Teilnehmer*innen bei digitalen Formaten aktivieren?
Gute Frage! In diesem konkreten Fall glaube ich, dass es auch viel spannender ist Fotos von einer ITB-Live-Messe zu posten und als Anker der Kommunikation zu nutzen, als im Vergleich dazu einen Screenshot eines Green-Screen-Redners zu nutzen. Darüber hinaus sorgt ein derart digital komprimiertes Format wie die ITB Berlin Now sicherlich auch dafür, dass wir eine Sättigung für die Anhäufung digitaler Kommunikationstools erreicht haben. Wir haben die Messe an unseren extrem effizienten Arbeitsplatz verlagert, da ist einfach keine Zeit mehr. Was ist denn von Interesse in den sozialen Medien? Die Geschichten und Hintergründe des informellen Austauschs, den wir in den digitalen Formaten gerade wegrationalisieren, der aber enorm wichtig ist. So geht es mir jedenfalls. Wie lassen sich Teilnehmer*innen aktivieren? Vielleicht indem wir mehr virtuelle bzw. hybride Räume für den informellen Austausch schaffen.

Franziska Dörsching, Manager Social Media & Communications, GCB:
Der VDVO beteiligt sich derzeit am “Aufruf zur Förderung einer nachhaltigen Veranstaltungswirtschaft”. Wer steht hinter dieser Initiative und was sind ihre wichtigsten Ziele bzw. Forderungen?
Die „Kernmannschaft“ besteht aus dem Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft vertreten durch Dr. Katharina Reute, dem VDVO sowie Stefan Lohmann (Gründer von Sustainable Event Solutions). Dieses Team hat ein Thesenpapier entwickelt und erste Unterstützer für den Aufruf zusammengebracht. Der Ursprungsgedanke besteht darin, dass auf Basis des verabschiedeten Konjunkturpaketes – gerade für den Bereich Nachhaltigkeit – die Veranstaltungswirtschaft die Chance nutzen soll, ein Konjunkturpaket zu schaffen, welches den Nachhaltigkeitsgedanken sowie die Entwicklung der Veranstaltungswirtschaft unter Berücksichtigung des Hilfebedarfs der Branche verbindet. Nachdem wir inzwischen diverse Unterstützer (auch Jan Delay ist dabei) gefunden haben, haben wir die Terminierung unterschiedlicher politischer Key-Player begonnen. Informationen findet jeder unter www.nachhaltigkeit.vdvo.de

Martina Neunecker, Head of Communications, GCB:
Die ITB Now mit ihrem MICE Track ist gerade erst zu Ende gegangen, aber Sie planen sicher schon weiter voraus. Welche Events, an denen der VDVO beteiligt ist, erwarten uns 2021? Worauf freuen Sie persönlich sich besonders?
Man glaubt es kaum, aber auch in diesen Zeiten organisieren wir eine hybride Konferenz zum Thema „Live Erleben in realen und digitalen Räumen“ über bis zu acht Standorten verteilt. Am 29. April findet in Zusammenarbeit mit der HWK diese Veranstaltung unter dem Namen „The Evolution of Live Communication“ statt. Matthias Schultze ist ebenfalls zu Gast. Darüber hinaus führt meine Stellvertreterin Doreen Biskup regelmäßig unterschiedliche co-kreative Online-MeetUps durch. Unsere hauptsächliche Planung konzentriert sich auf einen größeren Kongress in vierten Quartal, zu dem wir alle Stakeholder, Themen und Kompetenzen des VDVO zusammenbringen wollen. Darüber hinaus sehen wir auch in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt unsere Aufgabe unter Bereitstellung der Fördersumme von einer Million Euro unsere Mitglieder in die Lage zu versetzen, wieder Veranstaltungen durchzuführen.