Impfzentren auf Messegeländen

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Impfzentrum in der Festhalle der Messe Frankfurt, Foto: dpa

Im Kampf gegen das Coronavirus hat ein Impf-Wettlauf begonnen. Die Internetseite „Our World in Data“ registriert bis 3. Januar 2021 weltweit rund 12,34 Millionen Impfungen, das Robert Koch-Institut (RKI) für Deutschland rund 265.000. In der Woche vom 4. Januar 2021 sind in Deutschland laut Impfquotenmonitoring des RKI knapp 50.000 Menschen pro Tag geimpft worden.

In vielen deutschen Städten sind im Dezember in sehr kurzer Zeit Impfzentren in Messe- und Kongresszentren entstanden. Für den Aufbau ihres Impfzentrums in der Festhalle der Messe Frankfurt brauchen die Frankfurter nur vier Tage; vom 7. bis 10. Dezember 2020. Vorangegangen waren ab 23. November Gespräche zwischen der Messe Frankfurt, dem städtischen Gesundheitsamt, der Branddirektion Frankfurt und dem Betreiber, dem Roten Kreuz. Der Probelauf ist erfolgreich: Einsatzkräfte und 40 Statist*innen testen alle Stationen - von der Eingangskontrolle über die fünf Impfstraßen mit 43 Impfkabinen bis zum Erholungsbereich und der Ausgangskontrolle.

Insgesamt können in der Festhalle täglich 4.000 Menschen geimpft werden und das von über 250 Mitarbeiter*innen im Zwei-Schicht-System von 7.00 bis 22.00 Uhr an sieben Tagen in der Woche. Die ersten regionalen Impfzentren eröffnen nach den Plänen des hessischen Innenministeriums und Gesundheitsministeriums am 19. Januar 2021. Neben Frankfurt zählen Darmstadt, Wiesbaden, Gießen, Fulda und Kassel dazu. „Geplant ist, das Impfzentrum in der Festhalle mindestens bis zum Frühjahr zu betreiben. Sofern dort keine Veranstaltungen stattfinden, ist dies auch länger möglich“, erklärt Uwe Behm. Der Geschäftsführer der Messe Frankfurt ergänzt: „Andernfalls sind wir so flexibel, in kürzester Zeit problemlos in eine andere Halle umzuziehen.“

„Wir haben in kürzester Zeit alle sechs Impfzentren in Berlin, davon eines auf dem Messegelände selber mit verschiedenen Partnern geplant und mit Hilfe unserer Dienstleister umgesetzt“, informiert Emanuel Höger, Pressesprecher der Messe Berlin. Die Berliner beginnen Ende November und nehmen am 21. Dezember 2020 die Arena in Berlin-Treptow als erstes Impfzentrum ab. Es ist mit vier Impfstraßen à 20 Impfplätzen das größte Impfzentrum in der Hauptstadt.

Auf der Messe Berlin dient die Halle 21 als Impfzentrum. Betreiberin ist die Senatsverwaltung für Gesundheit das Impfzentrum. Laut dieser sind in Berlin bis 7. Januar 2021 um 12.00 Uhr im Impfzentrum Arena Berlin und durch die mobilen Impfteams in den Pflegeheimen 24.159 Impfungen erfolgt. Bisher ist nur das Impfzentrum Arena Berlin eröffnet. Die anderen fünf Berliner Impfzentren können starten, sobald genügend Impfstoff vorhanden ist. Aktuell rechnet die Messe Berlin damit, dass die Impfzentren bis Mitte des Jahres bestehen bleiben. Höger: „Die Entscheidung liegt aber natürlich nicht bei uns."

Die Hamburger haben ihr Impfzentrum auf dem Gelände der Hamburg Messe am 5. Januar 2021 in Betrieb genommen, zunächst mit etwa 500 Terminen am Tag. Die Gesamtkapazität liegt bei 7.000 Impfungen. „Die Vorteile des Messekomplexes spielen uns für die Impfkampagne in die Hände: Eine große, gut ausgestattete, zentral gelegene Fläche, bei der uns versierte Partner zur Seite stehen, die sich mit Logistik, Großveranstaltungen und komplexen Abläufen zur Seite stehen. Ohne die Messe hätten wir ein Impfzentrum in dieser Dimension und Professionalität nicht ohne weiteres in der gleichen knappen Zeit ermöglichen können“, sagt Martin Helfrich, Pressesprecher der Freie und Hansestadt Hamburg Sozialbehörde.

Seine Behörde geht fest von einer Nutzung bis in den Mai hinein aus. Wie dann die Impfsituation aussehen wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie viele Personen sind schon geimpft worden? Wie viel Impfstoff ist verfügbar? Gibt es einen Impfstoff, der gut transportabel ist und in Arztpraxen verimpft werden kann? Sofern letzteres der Fall ist, wäre mittelfristig kein Impfzentrum mehr erforderlich.

Das Impfzentrum in der Halle 4 der Koelnmesse verantwortet die Stadt Köln und beschreibt dessen Errichtung in drei Schritten: Finden einer geeigneten Liegenschaft ca. eine Woche, Planungen zwischen Eigentümer*innen, Betreiber*innen und weiteren Beteiligten ca. zwei Wochen, operativer Aufbau des Impfzentrums in 72 Stunden. Seit 15. Dezember 2020 stehen in der Halle 4 20 Impfkabinen zur Verfügung mit insgesamt 40 Impfplätzen. Bei vollständiger Auslastung und ausreichender Bereitstellung des Impfstoffs können täglich bis zu 5.000 Menschen geimpft werden. Dafür wäre das Impfzentrum täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet, bis zu 140 Mitarbeiter*innen wären im Einsatz, darunter 17 Ärzt*innen.

Eine Impfung verläuft wie folgt: Die Anmeldung zu einem Termin im Impfzentrum erfolgt über den Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Impfling vereinbart zwei Termine, einen ersten und einen zweiten 28 Tage später. Bei der Einlasskontrolle wird ihm per Scanner Fieber gemessen. Es wird kontrolliert, ob der Impfling seinen Mundschutz korrekt trägt, und ob er einen Termin hat. Dann wird er in den Wartebereich geleitet, um die Einwilligung auszufüllen. Bei Fragen helfen an einem Schalter Mitarbeiter*innen weiter. Es folgt die Registrierung an einem der weiteren 20 Schalter. Der QR-Code des Impftermins wird ausgelesen und die Identität anhand des Impfausweises überprüft. Zur Impfung geht der Impfling zu den Einzelkabinen, in denen er letzte Fragen mit einem Arzt klären kann. Daraufhin wird er von Mitarbeiter*innen der Koelnmesse in das Obergeschoss der Halle 4 geleitet. Dort wird in 20 Doppelkabinen die Impfung verabreicht und im Impfausweis festgehalten. Anschließend wird der Impfling für 30 Minuten in einem Wartebereich vom Sanitäts-Personal beobachtet, für den Fall, dass sich Komplikationen ergeben. Danach kann er das Impfzentrum verlassen.

Noch finden im Impfzentrum in der Halle 4 der Koelnmesse keine Impfungen statt, da bislang durch mobile Impfteams in Alten- und Pflegeheimen geimpft wird. Der Betrieb des Impfzentrums auf dem Gelände der Koelnmesse ist vorerst bis Ende Juli geplant.