Forschungsprojekt RESTART-19: Veranstaltungen in der Pandemie

Gute Belüftungstechnik, Essen am Platz, mehrere Eingänge

Pressekonferenz zu den Ergebnissen von RESTART-19

Das Forschungsprojekt RESTART-19 der Universitätsmedizin Halle (Saale) hat seine Ergebnisse zu Veranstaltungen während der Pandemie bekanntgegeben. Ein Teil des Projektes war das Konzert mit Sänger Tim Bendzko am 22. August 2020 in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig. Dort wurden die entsprechenden wissenschaftlichen Daten mit Kontakt-Tracern, kleinen technischen Geräten für alle Teilnehmer*innen, gesammelt. Diese Daten sind im Anschluss ausgewertet, modelliert, berechnet und überprüft worden. Zusätzlich wurden gemeinsam mit einem Ingenieurbüro Luftströmungssimulationen durchgeführt, um die Auswirkungen einer guten Belüftungstechnik bei Veranstaltungen zu untersuchen. Diese ist eine entscheidende Schlüsselkomponente für das Ansteckungsrisiko.

Die Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

  • Die Gesamtzahl der mehrere Minuten langen kritischen Kontakte ist bei der Veranstaltung nicht sehr hoch und kann durch Hygiene-Konzepte erheblich reduziert werden.

  • Insbesondere während des Einlasses und der Pausen finden viele Kontakte statt. Daher muss darauf der Fokus bei der Planung liegen.

  • Schlechte Belüftung kann die Zahl der dem Ansteckungsrisiko ausgesetzten Menschen deutlich erhöhen.

  • Rund 90 Prozent der Studienteilnehmer*innen finden es nicht schlimm, eine Maske zu tragen und sind bereit, dies weiterhin zu tun, um wieder Veranstaltungen erleben zu können. (Umfrage nach dem Konzert-Experiment)

  • Bei Einhaltung von Hygiene-Konzepten sind die zusätzlichen Auswirkungen auf die Pandemie insgesamt gering bis sehr gering.


Aus ihren Erkenntnissen leiten die Forscher*innen eine Reihe von Empfehlungen ab:

  • Veranstaltungshäuser benötigen Belüftungstechnik, die eine gute Belüftung und einen regelmäßigen Raumluftaustausch mit frischer Luft ermöglicht. Sinnvoll ist die Erstellung eines Bewertungssystems für eine adäquate Raumlufttechnik.

  • So lange die Pandemie anhält, müssen Hygiene-Konzepte weiterhin angewendet werden: Maskenpflicht in der Halle; Hygiene-Stewards zur Einhaltung der Standards.

  • Der Bestuhlungsplan und somit die Gästezahl sollten an die Inzidenz angepasst werden.

  • Als Zugang zu den Veranstaltungsorten sollten mehrere Eingänge vorhanden sein, um Besucher*innenströme zu lenken. Wartezonen ins Freie verlagert werden.

  • Während der Veranstaltung sollte an den Sitzplätzen gegessen werden, um Gedränge und lange Kontakte an Imbiss-Ständen zu vermeiden.

„Wir waren vom Konzept dieses Projektes überzeugt und danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich daran beteiligt haben. Sie haben die Daten generiert, mit denen wir politische Entscheidungen auf wissenschaftlicher Basis fällen können. Sie haben die Daten generiert, die auch anderen Menschen in ganz Deutschland und sogar weltweit zugutekommen, die gern wieder zu Konzerten oder Spielen gehen möchten, die nicht im Freien stattfinden. Es freut uns, dass die Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen dieses Projekt finanziell ermöglicht haben“, sagt Prof. Dr. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Halle. Der sachsen-anhaltinische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann ergänzt: „Die Corona-Pandemie verschärft sich aktuell in ganz Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist ‚RESTART-19‘ umso wertvoller. Gerade die Veranstaltungsbranche braucht Erkenntnisse und Konzepte, mit denen sich Konzerte, Festivals oder Messen trotz Corona verantwortungsvoll organisieren lassen. Die Forscherinnen und Forscher der Universitätsmedizin Halle haben hier im Auftrag der Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen echte Pionierarbeit geleistet – auch wenn der Weg in eine neue Normalität sicherlich noch sehr lang ist.“

www.restart19.de