„Wir sehen rein digitale Formate nur als ‚Notlösung‘“

“Give me 5” - Fünf Fragen an Bastian Fiedler

Bastian Fiedler, CEO m:con - mannheim:congress, Foto: m:con, Martin Häusler

Bastian Fiedler, CEO von m:con - mannheim:congress und dem Congress Center Rosengarten, über die Arbeit von Zuhause, hybride und digitale Veranstaltungsformate und die Night of Light.

Timothy Aldrich, Trainee Communications, GCB: Sie haben sich schon früh im Innovationsverbund Future Meeting Space engagiert und setzen sich auch schon seit Längerem, beispielsweise im Rahmen des Jazz-Clubs Ella und Louis, mit dem stetigen Wandel in der Event-Branche intensiv auseinander. Nun wird die Corona-Krise oft als Beschleuniger für die Umsetzung von Trends wahrgenommen. Wie haben Sie und Ihr Unternehmen von Ihrer intensiven Auseinandersetzung mit diesen Themen profitiert und wie haben Sie auf die Krise reagiert?

Bastian Fiedler: Ein erster wichtiger Schritt war sicherlich die Umstellung eines Großteils des Betriebs auf die Arbeit von Zuhause. Auch wenn diese Veränderung eine Herausforderung war, hat sie nun zu einer hohen Mobilität sowie Flexibilität unseres Teams geführt – die m:con ist da, wo unsere Mitarbeiter sind. Eigentlich war dieser Schritt, unabhängig von der Krise, für die Sommerpause geplant, wurde dann aber mit dem Veranstaltungs-Lockdown bereits Mitte März umgesetzt. Ein weiteres großes Thema sind natürlich hybride und digitale Veranstaltungen. So haben wir in Zeiten der strikten Kontaktbeschränkung zusammen mit dem musikalischen Kurator Thomas Siffling weiterhin den digitalen Konzertbetrieb aus unserem Jazz Club Ella&Louis via Stream ermöglicht. Daran anknüpfend haben wir bei digitalen Hauptversammlungen schnell reagiert und mit unseren Kunden entsprechende Lösungen ausgearbeitet. Zusammen mit der Fuchs Petrolub SE konnten wir die erste digitale Hauptversammlung in der Metropolregion Rhein-Neckar umsetzen. Aktuell haben wir im Congress Center Rosengarten ein festes hybrides Studio eingerichtet, welches Veranstaltungen mit einem Publikum vor Ort sowie parallel online ermöglicht. Über eine 16x5 Meter Rückprojektionsleinwand gibt es die Möglichkeit der direkten Interaktion zwischen den Gästen lokal und im Netz. Hierfür wurde auch unser Haus mit Hinblick auf die geltenden Verordnungen überprüft, ein Hygienekonzept erarbeitet und alle notwendigen Maßnahmen für einen Betrieb umgesetzt. So gab es zum Beispiel Strömungstests, um die Verteilung der Aerosole in den Sälen sichtbar zu machen und zu garantieren, dass die Luft direkt nach oben abgesaugt wird. Weiter gehören hierzu natürlich auch die Verteilung von Desinfektionsmittelspender im Haus, eine Hinweisbeschilderung und die Schulung unseres Personals. Alles in allem sind wir damit gut für den Herbst vorbereitet und können unseren Kunden, trotz der aktuellen Auflagen, eine flexible Lösung für ihre Veranstaltung anbieten.

Christian Funk, Redakteur, tw tagungswirtschaft: Ihr habt die Corona-Zwangspause genutzt, um Euren Service für hybride oder rein digitale Veranstaltungsformate zu erweitern. Wird das Angebot nun verstärkt angefragt und auch schon angenommen?
Inzwischen gibt es hier vermehrt Anfragen. Grundsätzlich sehen wir rein digitale Formate aber nur als „Notlösung“ für die aktuelle Zeit. Darüber hinaus „lediglich“ als sinnvolle Ergänzung für kleinere Abstimmungen zur Vorbereitung von Kongressen und Tagungen in der Nach-Corona-Zeit. Die Vorteile einer solchen Ergänzung liegen klar in der Nachhaltigkeit, also einem minimierten Reiseaufwand, dadurch einer besseren CO2- Bilanz sowie einer Erleichterung für das Zeitmanagement. Hybride Formate werden in unseren Augen auch nach Corona Bestand haben und können sinnvoll in analoge Konzepte integriert werden.

Ronja Heise, Online-Redaktion, tw tagungswirtschaft: Nehmen wir an, wir befinden uns im Sommer 2021, ein Jahr nach Covid-19: Was denken Sie, wie hat sich die Messe- und Kongresslandschaft verändert?
Ich denke, dass uns hybride Veranstaltungsformate weit über die aktuelle Krise hinausbegleiten werden. Auf lange Sicht geht der Trend in meinen Augen klar in Richtung einer Erweiterung von Veranstaltungen durch digitale Komponenten und Angebote. So bieten Streaming-Angebote zum Beispiel die Möglichkeit, den Teilnehmerkreis stark, auch über Ländergrenzen hinaus, auszuweiten. Einen rein digitalen Veranstaltungsbetrieb halte ich für eher unwahrscheinlich. Auch wenn rein digitale Lösungen für die ein oder andere Veranstaltung eine Alternative darstellen können, hat uns die Krise klar gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch und die menschliche Interaktion generell und spezieller auch im Rahmen von Tagungen sowie Messen sind.

Martina Neunecker, Head of Communications, GCB: Die geplante m:con-Roadshow im Frühjahr, bei der Sie die neue Geschäftsführung und Änderungen im Agenturgeschäft bei Kund*innen vorstellen wollten, musste Corona-bedingt erst einmal verschoben werden. Gibt es bereits konkrete Pläne, wann und wie die Roadshow in der “analogen Welt” nachgeholt werden kann?
Hierzu möchte ich gar nicht zu viel verraten. Nur so viel, es gibt konkrete Pläne unsere Roadshow ab dem Herbst digital und sobald möglich, auch analog wieder auf die Straße zu bringen. Lassen Sie sich überraschen.

Kerstin Wünsch, Chefredakteurin, tw tagungswirtschaft: COVID-19 hat die Event-Branche schwer getroffen. Während die Mitglieder des German Convention Bureaus (GCB) und des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC) am 29. Juni 2020 zur Jahresversammlung nach Berlin reisen, reist eine Delegation des Kommunikationsverbands FAMAB in die Hauptstadt, um Gespräche zur Rettung der Branche im Bundeswirtschaftsministerium und im Bundesfinanzministerium zu führen. Braucht es nicht eine konzertierte Aktion?
Ein aktiver Austausch mit der Bundesregierung ist natürlich sehr wichtig und in unser aller Interesse. Um dieser Kommunikation ein entsprechendes Gewicht zu verleihen, halte ich eine enge Zusammenarbeit der Fachverbände sowie Bündelung der Maßnahmen in Richtung der Regierung für mehr als sinnvoll. Ein gutes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist die „Night of Light 2020“. Hier hat die gesamte Branche ein klares Signal in Richtung der Regierung gesendet und damit ein nachhaltiges Zeichen gesetzt. Zusätzlich kann jeder natürlich auch auf lokaler sowie Landesebene den Dialog suchen, um eine flächendeckende Aufmerksamkeit zu erreichen. So stehen wir, dank der Unterstützung von lokalen politischen Partnern, im engen Austausch mit dem Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg um Ministerin Frau Dr. Hoffmeister- Kraut. Hier fühlen wir uns aktuell nicht nur verstanden, sondern auch unterstützt.

www.mcon-mannheim.de